Podiumsdiskussion zu den Wahlen 2026: Lebendige Debatte über Wohnen und Gewerbe in Zürich Nord

Wie soll die Entwicklung nach dem 8. März 2026 in Zürich Nord aussehen? Welche politischen Weichenstellungen prägen den Alltag der Bevölkerung in den kommenden Jahren – und wer will dafür Verantwortung übernehmen? Diese Fragen standen im Zentrum der öffentlichen Podiumsdiskussion.

Begrüsst wurden die Gäste von Dominique Zygmont, alt Gemeinderat FDP, der wortgewandt durch den Abend führte. Auf dem Podium diskutierten 13 Vertreterinnen und Vertreter aus dem gesamten politischen Spektrum. Teilgenommen haben Vertreter aus 8 Parteien, daruter: Përparim Avdili (FDP, Kandidat Stadtpräsidium), Stéphane Braune (FDP), Anjuska Früh (SP), Sandra Gallizzi (EVP, Kandidatin Stadträtin), Benedikt Gerth (Die Mitte), Christian Häberli (AL), Thomas Hofstetter (FDP), Christian Huser (FDP), Stephan Iten (SVP), Serap Kahriman (GLP, Kandidatin Stadtpräsidium), Tanja Maag (AL, Kandidatin Stadträtin), Marita Verbali (FDP, Kandidatin Stadträtin) sowie Karin Weyermann (Die Mitte, Kandidatin Stadträtin).

Thema 1: Wohnen – realistische Lösungen statt ideologischer Versprechen

Die Diskussion um bezahlbaren Wohnraum zeigte deutlich, dass gute Absichten allein nicht genügen. Aus Sicht der FDP braucht es pragmatische, umsetzbare Lösungen, die tatsächlich zusätzlichen Wohnraum schaffen. Forderungen nach immer mehr staatlich regulierten oder preislich fixierten Wohnungen greifen zu kurz, wenn sie an der Realität des Marktes vorbeigehen.

Die FDP Gemeinderäte aus Züri Nord machten deutlich, dass Zugangsbeschränkungen bei Genossenschaften, hohe Abschreibungen sowie komplexe Vergabekriterien dazu führen, dass staatlich geförderter Wohnraum oft nicht jene erreicht, die ihn am dringendsten benötigen. Zudem wurde kritisch angemerkt, dass private Investoren zwar in die Pflicht genommen werden sollen, gleichzeitig aber durch überbordende Auflagen, langwierige Baubewilligungsverfahren und regulatorische Hürden abgeschreckt werden.

Ein konkretes Beispiel unterstrich diese Problematik, welches Përparim Avdili erwähnte: günstige Studierendenwohnungen, die für rund CHF 1000 hätten realisiert werden können, scheiterten letztlich an Bauvorschriften und Auflagen – trotz vorhandenem Bedarf. Für die FDP ist klar: Wenn mehr Wohnungen entstehen sollen, muss schneller, einfacher und partnerschaftlicher gebaut werden können.

Auch die Auswirkungen der anhaltend hohen Zuwanderung auf den Wohnungsmarkt wurde seitens des SVP Vertreters eingebracht. Die Wortmeldungen der FDP Vertreter gaben deutlich zu hören, dass die Stadt weder günstiger noch schneller bauen kann, wenn Nachfrage und Regulierung weiter auseinanderdriften. Mehr Wohnraum entsteht nicht durch politische Versprechen, sondern durch verlässliche Rahmenbedingungen, Investitionssicherheit und effizientere Verfahren.

Thema 2: Wirtschaft und Gewerbe – Wertschöpfung ermöglichen statt verhindern

Im zweiten Schwerpunkt stand das lokale Gewerbe im Zentrum – aus Sicht von FDP Gemeinderat und Ratspräsident Christian Huser zu Recht. Die Rückmeldungen aus Befragungen von Unternehmen in Zürich zeigen klar: Gewerbeflächen werden zunehmend knapp, insbesondere für Betriebe mit höherem Platz- oder Lärmbedarf. Diese Entwicklung gefährdet Arbeitsplätze, Lehrstellen und die wirtschaftliche Vielfalt der Quartiere.

Kritisch diskutiert wurden auch verkehrspolitische Massnahmen wie flächendeckende 30er-Zonen, die aus Sicht vieler Gewerbetreibender die Erreichbarkeit, Logistik und Effizienz erheblich erschweren wie Gemeinderat Thomas Hofstetter ausführte. Die FDP Voten machten deutlich, dass gut gemeinte Verkehrsberuhigung nicht zulasten des funktionierenden Alltags von Betrieben gehen darf.

Die FDP-Vertreter betonten einen zentralen Grundsatz: Wirtschaftliche Wertschöpfung ist die Voraussetzung für soziale und ökologische Leistungen. Oder wie es Christian Huser auf den Punkt brachte: «Geld muss zuerst erwirtschaftet werden, bevor es verteilt werden kann».

Positiv hervorzuheben ist jedoch bei allen Teilnehmenden, dass sich parteienübergreifend ein Bekenntnis zur Bedeutung des Gewerbes zeigte. Für die FDP ist jedoch entscheidend, dass diesem Bekenntnis auch konkrete Verbesserungen der Rahmenbedingungen folgen – weniger Bürokratie, mehr Raum für unternehmerische Tätigkeit und eine Stadtentwicklung, die das Gewerbe nicht verdrängt.

Meh blau für Züri Nord

Wer bezahlbaren Wohnraum will, muss bauen ermöglichen. Wer lebendige Quartiere will, muss das Gewerbe ernst nehmen. Und wer soziale Verantwortung tragen will, muss wirtschaftliche Stärke zulassen. Gerade für Zürich Nord braucht es keine ideologischen Experimente, sondern realistische, liberale und zukunftsorientierte Lösungen. Das Wahljahr 2026 wird zeigen, welche politischen Kräfte bereit sind, diese Verantwortung zu übernehmen. Der direkte Austausch mit der Bevölkerung hat klar gemacht: Die Weichen für morgen werden heute gestellt – mit Vernunft, Augenmass und wirtschaftlichem Sachverstand für «meh blau in Züri Nord».